Sie befinden sich hier: Nachrichten
Samstag, 19.05.2012
Dienstag, 31.01.2012 11:06

Schnelles Netz auch im letzten Winkel Schleswig Holsteins

FTT-X.NET

©Thomas Siepmann/Pixelio

Noch flitzen die Datenpakete nicht mit Lichtgeschwindigkeit durchs Glasfasernetz, aber nicht mehr lange, dann dürften die Gemeinden Bohmstedt und Reußenköge über ein super schnelles Netz verfügen. Verantwortlich dafür ist die Breitbandnetzgesellschaft GmbH und Co. KG aus Breklum, die Ende 2010 mit dem Ziel gegründet wurde, den nördlichen und mittleren Festlandteil Nordfrieslands mit einem Glasfasernetz zu versorgen.

Zu den Gründern gehören unter anderem 21 Windparks, so dass die Kapitalbeschaffung kein allzu großes Problem darstellte, denn die Ausbaupläne verschlingen immerhin rund 60 Millionen Euro. Dafür sollen eines Tages rund 19 500 Häuser und 4450 Gewerbebetriebe am Netz sein. In den beiden Gemeinden sind die Leitungsarbeiten beendet, aber die Industrie hat einen Lieferengpass bei aktiven Hausanschlussdosen, sagt Ulla Meixner, kaufmännische Leiterin der GmbH.

Dass der Nachholbedarf auf dem platten Land riesig ist, zeigt sich auch daran, dass morgen in Löwenstedt eine weitere Breitbandgesellschaft gegründet werden soll. Die Bürger-Breitband-Netzgesellschaft wurde von den Ämtern Eiderstedt, Nordsee-Treene und Viöl sowie der Stadt Tönning initiiert. Die Stadt Husum ist seit dem 8. Dezember 2011 bei den Planungen mit von der Partie. Ob die Stadt auf den schnellen Glasfaser-Internetzug aufspringen will, entscheidet der städtische Hauptausschuss aber erst am Donnerstag, 9. Februar. Mittlerweile wurden bei Kommunen und Bürgern rund 600 000 Euro Startkapital eingesammelt. Und obwohl die Gründung erst noch erfolgen wird, hat die Gesellschaft bereits die erste Kommune für die Glasfaser-Versorgung ausgeguckt. In Löwenstedt soll der schnelle Netzausbau starten, vorausgesetzt, dass sich mehr als 60 Prozent der Einwohner fürs Mitmachen entscheiden. Was der Hausanschluss mit dem Glasfaserkabel kosten wird, steht noch nicht fest, bei den Breklumern ist er kostenlos, die Nutzer zahlen dort nur die jeweiligen Netztarife.

Etwas mühsamer als im Norden ist das Einsammeln von Kapital, denn auch im Süden beläuft sich die Gesamt-Investition auf rund 60 Millionen Euro. Allerdings haben dort bereits 31 öffentlich-rechtliche Gesellschafter gezeichnet (neben Kommunen auch die drei Ämter). Da deren Quote aber nicht 25 Prozent übersteigen darf, werden weiterhin private Geldgeber gesucht, auch weil es weniger Windparks als im Norden gibt. Und viele Wind-Gesellschaften halten erst im zweiten Quartal ihre Jahresversammlungen ab, in denen mögliche Beteiligungen beschlossen werden können. Dennoch wurden die Erwartungen schon übertroffen, wie die Breitband-Koordinatorin der Ämter, Ute Gabriel-Boucsein feststellte.

Im Norden geht der Ausbau des Netzes voran. Neben Bohmstedt und Reußenköge mit rund 620 Anschlüssen sind in 2012 auch noch Drelsdorf, Vollstedt, Ahrenshöft, Struckum, Dörpum, Almdorf, Risum-Lindholm, Stedesand sowie Teile Breklums und Niebülls geplant. Zusammen sind dies dann rund 3700 Anschlüsse.

"Was dort im Kreis Nordfriesland geschieht, ist einzigartig", sagt dazu Andrea Bonk vom Breitband Kompetenzzentrum des Landes in Kiel. In anderen Kreisen Schleswig-Holsteins und in Niedersachsen sei vielfach mit dem Modell des Zweckverbandes gearbeitet worden. Dies bedeute in der Praxis dann aber auch europaweite Ausschreibungen und ein vielfaches mehr an Bürokratie als in Nordfriesland. Das Modell aus Nordfriesland sei nicht eins zu eins auf andere Regionen übertragbar. Andrea Bonk betont aber, dass das Kompetenzzentrum bei jeder Gelegenheit dafür werbe, schließlich hätten dessen Mitarbeiter an der nordfriesischen Lösung mitgearbeitet.

Andrea Bonk hebt die gute Zusammenarbeit der bestehenden und der zu gründenden Gesellschaft hervor. Beide hätten das Ziel, ein schnelles Glasfasernetz zu bauen, das dann an einen Provider vermietet werden soll. Der Norden und der Süden arbeiten Hand in Hand, denn wie sagte schon Ulla Meixner von der Breklumer Gesellschaft: "Warum sollen die Kollegen im Süden das Rad neu erfinden, wenn wir schon damit fahren."

Vgl.: www.shz.de/nachrichten/lokales/husumer-nachrichten/artikeldetails/article/111/schnelles-netz-auch-im-letzten-winkel.html